Tour ins Dreiländereck

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Eine kleine Tagestour von Dresden ins Dreiländereck. Deutschland, Polen, Tschechien.

Nachdem ich nach einer stressigen Arbeitswoche den gesamten Sonnabend nutzte, um als Mattenmops im Bett zu liegen und zu schlafen, mußte zumindest am Sonntag etwas unternommen werden. Geschlafen war genug und so ging es nach einer Tasse Kaffee gegen 8 Uhr in Richtung Lausitz.

Schon lange hatte ich mir vorgenommen, mal wieder über ein paar polnische Straßen zu düsen. Das hab ich im Gegensatz zu Tschechien Jahre nicht gemacht. Um erst einmal schnell ans Ziel zu kommen, nutzte ich für den Hinweg die Autobahn A4 Richtung Görlitz.

Grenzübergang A4 zu Polen

In nicht einmal einer Stunde hat man die Strecke bis zur polnischen Grenze hinter sich gebracht. Der Nachteil dieser Variante im Sommer ist, dass die Frontscheibe im Nu mit toten Insekten inkl. Angstschiss der Tiere zugekleistert ist. Das macht sich für Spontanfotos dann weniger gut. Egal. Man kann ja nicht an alles denken.

Gleich nach dem Grenzübergang machte ich mich vom Acker von der Autobahn. Ich bilde mir ein etwas von Vignette in Polen erspäht zu haben. Da war ich ganz ahnungslos. Geplant war jedenfalls eh eine Tour quer Feld ein. Das macht am meisten Laune. Vor allem, wenn man nicht so wirklich weiß wo man ist. Ich jedenfalls machte mich in Richtung Bogatynia auf. Die richtige Abbiegung dort hin wurde gerade von der Polizei gesperrt, weil wohl grenzübergreifend ein Marathon im Gange war, der mich dann auch später noch mal etliche Umwege kostete. Der bestimmende polnische Polizist erklärte mir dann so halbwegs, wie ich zu fahren hatte.

irgendwo in Bogatynia (PL)

Ich habe Bogatynia dann irgendwie nur passiert. Viel Zeit für die Stadt habe ich mir nicht genommen. Leider hatte ich ja nur einen Tag zur Verfügung und ich wollte ja einfach nur mal im Dreiländereck  etwas umher fahren, hier und da nur kurz anhalten und eher nach gewöhnlich, ungewöhnlichem Ausschau halten. So große Touristenattraktionen sind zumindest  nicht immer mein Ding. Jedenfalls ging es heute nicht darum.

In Polen ist mir aufgefallen, dass doch eine menge Leute Sonntag Früh oder Vormittag unterwegs waren. Ungewöhnlich mehr als bspw. in Tschechien. Alle des weiteren schmuck und adrett heraus geputzt. Natürlich! Die Leute werden zum Gottesdienst gegangen sein. Die Polen sind ja sehr gläubige Menschen und so schlendert man am Sonntag mit Kind und Kegel zur Kirche.

In Polen ist man katholisch

Auf dem Weg sah man immer wieder Siedlungen von schönen neuen Einfamilienhäusern. An vielen Ecken wird gebaut. Gleich nach der Grenze geben sich auf großer Fläche auch neue einschlägig bekannte Märkte die Ehre. Genannt seien Globus, OBI oder Carrefour. Naja, bleibt nicht aus. Alle selbstverständlich geöffnet aber der Parkplatz leer. Viel los war nicht. Also macht lieber frei. Die Gegend ist, wie in der Lausitz auch, geprägt vom Kohle-Bergbau. So manches mal fährt man förmlich unter den Förderbändern durch. Bekannt um Bogatynia auch das Kraftwerk Turow.

Weiter ging es nun in Richtung Liberec (CZ). Den Jested (Jeschken) wollte ich mal wieder sehen. Von Bogatynia sind es nur ca. 30 km bis dort hin. Das Navi schickte mich zu meiner Freude seltsame Wege. Nicht immer die Hauptstraße aber wohl den kürzesten Weg. Je nach Laune hörte ich auf die Stimme oder nicht. Schön war eine kleine Abbiegung mitten auf eine schmale Straße hindurch durch eine herrliche Allee, vorbei an saftigen Wiesen und in der Ferne einer Herde Kühe, welche man von weitem roch. Oder war es Gülle? Ich nahm absichtlich einen kräftigen Lungenzug. Als Städter hat man das doch nicht!

Eine tolle AlleeSaftiges Grün!Kuhherde

Lang dauerte es nicht und von Weiten grüßte mich schon der Hausberg von Liberec, der Jested. Immer wieder imposant und herrlich anzusehen. Gleich am Hang stehen auch die berühmten Sprungschanzen für den Weltcup. Zum Gipfel mit dem markanten Hotelkegel kann man übrigens mit der Seilbahn fahren. Ich war schon des öfteren dort oben und so fuhr ich heute nur mal die Straße samt ihrer Serpentinen hoch und runter, hielt mal an und machte ein, zwei Fotos. Die Landschaft ist schon herrlich!

Kleine Kapelle auf dem WegLibererc - Der Jeschken grüßtDer Jested (Jeschken)

Überlegt habe ich, wie ich wieder zurück fahre und bin zum Entschluss gekommen doch wieder in Richtung Görlitz zu fahren. Auf der Hälfte des Weges passiert man das böhmische Frydlant mit seinem schönen Rathausbau und dem berühmten Schloss, in welchem u.a. Albrecht von Wallenstein residierte. Ich hab vor langer Zeit mit meinem Großvater mal eine Führung dort gemacht und freute mich, dort mal wieder entlang zu kommen. Bei Zgorzelec überquerte ich dann wieder die Polnisch-Deutsche Grenze und befand mich sogleich in Görlitz. Beide Städte waren vor dem Krieg ja Eine.

Görlitz ist absolut eine Reise wert! Die unzähligen restaurierten Bürgerhäuser mit ihren Schnörkeln und Stuck, den Kaisertrutz, den dicken Turm, den Reichenbacher Turm, Ober- und Untermarkt, ja die Altstadt sollte man unbedingt gesehen haben. Darüber mache ich mal eine extra Galerie. Ich wollte auch schauen was der geflutete Tagebau Berzdorf bei Görlitz macht. Ja, dort scheint man schon mal die Füße ins Wasser zu stecken. Die Naherholung, das Zittauer Gebirge, das Ländereck, sie sind der Pfand der Region nach dem Niedergang von Tagebau und Textilindustrie. Schaut es Euch mal an! Es lohnt sich und so weit ist es von Dresden nicht weg!

Die Marathonläufer die mir in Polen begegnet waren, hatten es nun auch nach Görlitz geschafft und schnitten mir noch einmal den Weg ab. Mit einem deutschen Streckenpolizisten hatte ich einen kurzen Smalltalk. Ja, die Läufer waren heute morgen schon in Polen meinte er. Ich machte mich weiter auf den Heimweg. Über Löbau, Bautzen und Bischofswerda ging es auf der B6 heim. Autobahn wäre schneller gewesen. Aber die stand für diesen Abschnitt bei mir mich nicht auf dem Plan! War ´ne schöne Tour! Nur Autofahren muß man ein wenig gewöhnt sein.

Ortseingang ZgorzelecGrenzbrückeGörlitzAlter AbraumbaggerIch hab immer rot!Gefluteter TagebauGefluteter Tagebau - Hintergrund LandeskroneLöbauer Berg

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2 Reaktionen zu “Tour ins Dreiländereck”

  1. Sebastian

    Ein sehr schöner Reisebericht. Die Tour hat bestimmt viel Spaß gemacht. Im Sommer werden wir auch eine Woche in der Region verbringen und die Bilder und dieser Bericht haben schon etwas Lust darauf gemacht. Steht der Bagger an dem Bahnübergang nicht bei Hagenwerder? Das mit den geschlossenen Schranken ist wirklich typisch.

  2. Doksák

    sehr informativ, genau mein geschmack :!:

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